sozialpartnerschaftliche WERkstatt RNV

Zum Auftakt der 7. Werkstatt am 03. Juli 2026 begrüßte Christian Volz, kaufmännischer Geschäftsführer der Rhein-Neckar-Verkehr GmbH, die Projektlots*innen bei der rnv in Mannheim. Er betonte die Bedeutung der sozialpartnerschaftlichen Gestaltung von Transformationsprozessen. Dazu zählt bei der rnv neben einer strategischen Personalgewinnung, die Steffen Grimm, Personaleiter der rnv, in einem Impuls vorgestellt hat, das Thema innovative Aus- und Weiterbildungsformate sowie Trainingsmethoden für das Fahrpersonal. Dies stand auch im Mittelpunkt der Werkstatt.

Innovative Trainingsmethoden für das Fahrpersonal

Bereits am Vortag hatten die Teilnehmenden Gelegenheit, die neuen Bus- und die – bereits seit längerem zum Einsatz kommenden – Straßenbahnsimulatoren selbst zu testen. Aufgrund der positiven Erfahrungen mit den mittlerweile gut in die Aus- und Weiterbildung integrierten Bahnsimulatoren, hat die rnv nun auch in moderne Bussimulatoren investiert und erweitert damit ihre Busausbildung um einen simulationsbasierten Ausbildungsprozess. Dies ermöglicht ein praxisnahes und zielgruppenorientiertes Lernen, in dem anspruchsvolle Verkehrssituationen und Unfallszenarien realitätsnah, standardisiert und ressourcenschonend trainiert werden. Hinzu kommt als positiver Effekt, dass dazu Einsatzfahrzeuge oder unterschiedliche Fahrzeugtypen für die Ausbildung in geringerer Zahl vorgehalten werden müssen. Im anschließenden Debriefing werden die Übungen gemeinsam reflektiert, wodurch die Lerneffekte zusätzlich gesteigert werden.

Die Ausbildung an den Bussimulatoren wird wissenschaftlich begleitet, um besondere Lerneffekte zu untersuchen. Langfristig sollen Simulatortrainings noch stärker in die Ausbildung, Qualifizierung und Zertifizierung Einzug finden, zum Beispiel im Rahmen des Führerscheins. Die Einführung der Simulatoren und deren Einbettung in das betriebliche Lernen stellt einen umfangreichen Veränderungsprozess dar. Insbesondere unter den Fahrlehrerinnen und Fahrlehrern wird der Einsatz der Simulatoren noch unterschiedlich bewertet. Umso wichtiger ist es, das Vertrauen in den Mehrwert der Technologie zu stärken und den Simulator schrittweise in ein gesamtbetriebliches, abgestimmtes Lernkonzept zu integrieren, damit die Vorteile des simulationsgestützten Lernens für die rnv und die Beschäftigten zielgenau genutzt werden können.


Mehrwert des digitalen Lernens

Aufbauend aus diesen Einblicken in die Praxis wurde aus arbeitssoziologischer Perspektive zunächst beleuchtet, ob und wie digitale Lernformen generell einen Mehrwert bieten – und für wen (Lehrende, Lernende, Unternehmen). Hierfür wurde skizziert, dass digitales Lehren und Lernen verschiedene Medienformate verbinden können, z.B. Lernplattformen und Apps, Präsenz- und Online-Lehren, Selbst- und angeleitetes Lernen sowie Lernen im Arbeitsprozess etc.  Digitale Lernmedien können flexibles und individualisiertes Lernen, abwechslungsreiche didaktische Ansätze, Gamification-Elemente (spielerische Anreize zur Motivation) und unmittelbares Feedback ermöglichen. Gleichzeitig wurde deutlich, dass digitale Lernangebote neue Anforderungen an Lernende und Lehrende stellen und auch spezifische Herausforderungen berücksichtigt werden müssen. Dies gilt insbesondere für Simulatoren, da sie Lernsettings und auch die Rolle der Lehrenden verändern, nicht 1:1 die Praxis abbilden können und auch z.B. körperliche Belastungen bedeuten (etwa durch Motion Sickness, d.h. Übelkeit oder Schwindel während der Nutzung).

Ein zentrales Fazit lautete, dass digitale Lernformen ihren Mehrwert nur dann entfalten, wenn sie didaktisch sinnvoll in das betriebliche Lernen (v.a. die Aus- und Weiterbildung) eingebunden und von passenden betrieblichen Rahmenbedingungen begleitet werden.

Das ISF griff hierzu die im Vorgängerprojekt ÖPNV 4.0 entwickelte Checkliste zum digitalen Lernen im Betrieb auf. Sie betont insbesondere die Bedeutung einer partizipativen und sozialpartnerschaftlichen Gestaltung digitaler Lernangebote. Beschäftigte und Interessenvertretungen sollten frühzeitig in deren Konzeption und Einführung einbezogen werden, um Akzeptanz, Praxisnähe und einen nachhaltigen Einsatz zu fördern. Ähnliche Erfolgsfaktoren zeigen auch die Betriebsfallstudien im Rahmen von We-Transform-ÖPNV auf: Es bedarf zeitlicher Freiräume für Lernprozesse, Vertrauen in digitale Technologien sowie eine verlässliche technische Infrastruktur. Ebenso wichtig sind klare Regelungen zu Lernzeiten, die Einhaltung datenschutzrechtlicher Vorgaben und ein barrierearmer Zugang zu den Lernangeboten oder geeignete Alternativen für Beschäftigte, die digitale Lernformen nur eingeschränkt nutzen können. Dies erfordert Schulungen für Lernende und Lehrende sowohl hinsichtlich bestimmter Fachinhalte (etwa Fahrdienstrelevantes oder in Didaktik) als auch hinsichtlich des Umgangs mit der jeweiligen Technologie.

Gruppenarbeiten: Digitale Lernformen und Zukunftsbilder für den ÖPNV

In zwei Gruppenarbeiten beschäftigten sich die Teilnehmenden mit den Potenzialen digitaler Lernformen sowie mit Zukunftsbildern für den ÖPNV in zehn Jahren. Diskutiert wurden Chancen und Herausforderungen von Simulatoren, digitalem Selbstlernen und arbeitsintegrierten Lernformaten ebenso wie die Voraussetzungen für ihre erfolgreiche Einführung. Dabei wurde deutlich, dass der Erfolg des digitalen Lernens nicht allein von der Technologie abhängt und technische Innovationen nur dann ihren Mehrwert entfalten, wenn sie von geeigneten betrieblichen Rahmenbedingungen und einer frühzeitigen Beteiligung der Beschäftigten begleitet werden. Aus Sicht der Mitbestimmung wurden insbesondere Datenschutz, Qualifizierung und die aktive Einbindung von Betriebsräten als zentrale Erfolgsfaktoren hervorgehoben.

In einer weiteren anschließenden Gruppenarbeitsphase zoomten die Beteiligten etwas aus konkreten Themen heraus, um ein übergreifenderes Zukunftsbild zu zeichnen: einen vernetzten, kundenorientierten und technologisch unterstützten ÖPNV mit attraktiven Arbeitsplätzen, kontinuierlicher Qualifizierung und einem verantwortungsvollen Einsatz digitaler Technologien. Einigkeit bestand darüber, dass die Transformation nur durch eine enge Zusammenarbeit aller Beteiligten in den einzelnen Verkehrsunternehmen und durch Kooperationen zwischen den Unternehmen gelingen kann.

Rück- und Ausblick

Die abschließende Zwischenbilanz der ersten sieben Werkstätten zeigte, wie sich der regelmäßige Austausch zwischen den acht beteiligten Verkehrsunternehmen entwickelt hat. Aus den anfänglichen Diskussionen ist ein soziales Beziehungsgeflecht der Projektlots*innen entstanden, das von gegenseitigem Lernen, Offenheit und wachsendem Vertrauen geprägt ist und sich zunehmend zu einem tragfähigen, belastbaren Netzwerk weiterentwickelt. Erste betriebsübergreifende Synergien wurden sichtbar, Ideen gemeinsam weiterentwickelt und Erfahrungen miteinander geteilt. Die Teilnehmenden betonten den Wunsch, diesen Austausch in der nächsten Projektphase fortzuführen und die angestoßenen Themen weiter zu vertiefen.

Auch wenn die Werkstattreihe zunächst pausiert, setzt sich die Zusammenarbeit fort: In den regelmäßigen Online-Austauschen der Projektlots*innen werden die Ergebnisse weitergeführt, neue Impulse aufgegriffen und gemeinsame Lösungsansätze entwickelt. Parallel entstehen die Schulungskonzeption und das Qualifikationsprofil für Transformationsgestalter*innen. Damit bilden die bisherigen Werkstätten nicht den Abschluss, sondern das Fundament für die nächste Phase des Projekts mit weiteren Präsenzterminen.