Sozialpartnerschaftliche Werkstatt der ÜSTRA

Die sozialpartnerschaftlichen Werkstätten zeigen, wie sich Erfolgsfaktoren gelingender Transformationsprozesse im Projektverlauf zunehmend konkretisieren und verfestigen. In der fünften Werkstatt bei der ÜSTRA Hannoversche Verkehrsbetriebe AG rückte die Autonomisierung von Mobilitätsangeboten und ihre Auswirkungen auf Arbeit, Qualifizierung und betriebliche Prozesse in den Mittelpunkt.  

Transformation durch autonomes Fahren 

Denise Hain, Arbeitsdirektorin Betrieb & Personal der ÜSTRA begrüßte die Teilnehmenden und betonte die Bedeutung, die Transformation hin zu automatisierten Mobilitätslösungen aktiv mitzugestalten. Im weiteren Verlauf stellen die Projektlots*innen der ÜSTRA das Transformationsvorhaben „Albus“ vor. Im Mittelpunkt steht dabei der Einsatz des autonomen Linienbusses, der derzeit im Testbetrieb im Verkehr erprobt wird. Gleichzeitig macht die ÜSTRA deutlich, dass die technische Einführung autonomer Fahrzeuge weit über die Fahrzeugtechnologie selbst hinausgeht. Im Fokus steht ebenso die Anpassung betrieblicher Abläufe, die digitale und physische Infrastruktur sowie rechtliche und sicherheitstechnische Anforderungen. Ziel der ÜSTRA ist es, hochautomatisierte Elektro-Midi-Busse perspektivisch in den Linienbetrieb der Region Hannover zu integrieren und damit den ÖPNV kundenfreundlicher, effizienter, nachhaltiger und barrierefreier zu gestalten.  

Die Projektlots*innen hatten bereits am Vortag der Werkstatt die Möglichkeit, den autonomen Linienbus vor Ort zu erleben und Einblicke in den aktuellen Entwicklungsstand des Projekts zu erhalten.   

Entwicklung der Transformationsprojekte der Projektbeteiligten  

Bereits zu Beginn der Werkstatt erhielten die Lots*innen im Rahmen eines Poster-Rundgangs die Möglichkeit, aktuelle Entwicklungen, Meilensteine, Unterstützungsangebote sowie Netzwerkpotenziale ihrer Transformationsvorhaben vorzustellen, zu teilen und zu diskutieren. Die kontinuierliche Zusammenarbeit der Projektlots*innen schafft dabei einen besonderen Mehrwert: Durch den wiederkehrenden Austausch entsteht nicht nur eine wachsende Vertrauensbasis zwischen Arbeitgebender- und Arbeitnehmendenseite, sondern auch ein gemeinsames Verständnis dafür, welche Kompetenzen, Rahmenbedingungen und Gestaltungsansätze in zukünftigen Transformationsprozessen benötigt werden. 

Wie bereits in den vorherigen sozialpartnerschaftlichen Werkstätten bei den beteiligten Verkehrsunternehmen sichtbar wurde, zeigen sich auch hier drei Schwerpunkte für erfolgreiche Veränderungsprozesse: 

  • Beteiligung und sozialpartnerschaftliche Aushandlung 
  • Transparente Kommunikation  
  • Konstruktiver Umgang mit Unsicherheiten   

Deutlich wurde der Aspekt, dass die erheblichen personellen Veränderungen in den Verkehrsbetrieben zu berücksichtigen sind. Auch hier müssen Mitarbeitende und ihre betriebliche Interessenvertretung frühzeitig in Prozesse eingebunden werden, um mögliche bestehende und wachsende Ängste systematisch abzubauen und Sicherheit zu vermitteln. 

Der Impuls des ISF München setzte mit drei zentralen Thesen bewusst prägnante Schlaglichter auf den Betriebsfall und das Thema Automatisierung bzw. autonomes Fahren:

  1. Automatisierung ersetzt Arbeit nicht 1:1.  
  2. Automatisierung macht Arbeit. 
  3. Arbeit geht nicht aus.

Entlang der drei Thesen, unterlegt mit Beispielen aus dem autonomen Fahren, wurde deutlich, wie komplex und vielschichtig Transformationsprozesse im Kontext von Automatisierung tatsächlich sind. Zugleich wurde herausgearbeitet, dass die Komplexität des Verkehrssystems weiter zunimmt – insbesondere durch die zunehmende Ausdifferenzierung des ÖPNV im Zuge des autonomen Fahrens. Daraus ergeben sich veränderte Tätigkeitsprofile sowie zusätzliche, komplexere Aufgabenfelder. Verkehrsunternehmen und Sozialpartner sind daher gefordert, den Wandel aktiv zu gestalten: Sie müssen im Blick behalten, wie sich Arbeit verändert, an welchen Stellen neue Tätigkeiten entstehen – innerhalb wie außerhalb des ÖPNV – und wie sie ausgestaltet werden können. Dabei zeigt sich, dass der Arbeitsbedarf insgesamt weiterwächst und viele Entwicklungen noch offen sind. Umso wichtiger ist es, neue Technologien aktiv zu testen, Lernprozesse zu ermöglichen und Gestaltungskompetenz im Umgang mit automatisierten Prozessen zu entwickeln – mit dem Ziel Wissen und Expertise nachhaltig in den Unternehmen zu verankern. 

Im Mittelpunkt der anschließenden Gruppenarbeit standen Fragestellstellungen rund um Arbeits- und Tätigkeitswandel, Zukunftskompetenzen, Unsicherheiten sowie notwenige Leitplanken im Rahmen der Transformation und Automatisierung im ÖPNV.  

Die Projektlots*innen arbeiteten dabei gemeinsam an konkreten Herausforderungen aus der betrieblichen Praxis und brachten zahlreiche Erfahrungen, Perspektiven und Fragesellungen aus ihren jeweiligen Unternehmenskontexten ein. 

Im Austausch wurde deutlich, dass die Transformation hin zu automatisierten Mobilitätslösungen weit über die Einführung neuer Fahrzeugtechnologien hinausgeht. Themen wie Sicherheit, Haftung, Datenschutz, zukünftige Aufgabenverteilung, Qualifizierung von Beschäftigen sowie rechtliche und organisatorische Rahmenbedingungen wurden von den Teilnehmenden als zentrale Handlungsfelder identifiziert.  

Ein weiteres Ergebnis der Gruppenarbeit war die Erkenntnis, dass eine frühzeitige nachhaltige sozialpartnerschaftliche Zusammenarbeit zwischen Verkehrsunternehmen Betriebsräten, Gewerkschaften, Behörden und weiteren Akteuren entscheidend für das Gelingen der Transformation ist. Gerade im Bereich der Automatisierung bestehen weiterhin viele offene Fragen und Unsicherheiten, die nur gemeinsam bearbeitet und gestaltet werden können.   

Was die Teilnehmenden bewegt 

Die Live-Umfrage verdeutlichte zudem zentrale Herausforderungen und Entwicklungsbedarfe im Kontext autonomer Mobilität. Die größten Sorgen sehen die Befragten insbesondere bei rechtlichen Rahmenbedingungen sowie den Themen Sicherheit und Technikvertrauen. Ergänzend wurden Tarifverträge, betriebliche Mitbestimmung und die aktive Einbindung der Mitarbeitenden als wichtige Aspekte genannt.  

Als zentrale Zukunftskompetenzen wurden vor allem der Umgang mit digitalen Systemen sowie das Verstehen und wirksame Nutzen von Daten hervorgehoben. Gleichzeitig sehen viele Teilnehmende die aktive Mitgestaltung von Veränderungsprozessen als wichtiges persönliches Entwicklungsfeld. Positiv zeigte sich zudem, dass sich die Mehrheit bereits gut in Veränderungsprozessen ihrer Unternehmen einbezogen fühlt. Schulung und Qualifizierung wurden dabei als zentrale Unterstützung benannt, um den Wandel sicher und kompetent begleiten zu können.  

Die Werkstatt bot damit nicht nur Raum für fachlichen Wissenstransfer, stärkte die sozialpartnerschaftliche Vernetzung innerhalb des Projekts, sondern lieferte gleichzeitig erneut wertvolle Erkenntnisse und konkrete Bedarfe für die Weiterentwicklung des im Projekt entstehenden Qualifikationsprofils für Transformationsgestalter*innen im ÖPNV.