
Am 14. April 2026 fand die 4. Sozialpartnerschaftliche Werkstatt der Bentheimer Eisenbahn in Köln statt.
Im Mittelpunkt dieses Austausch- und Lernorts stand das breite und dynamische Feld der KI-Systeme und dessen Bedeutung für Transformationsprozesse in Verkehrsunternehmen.
Gemeinsames Verständnis als Grundlage erfolgreicher Zusammenarbeit
Die Projektlots*innen brachten wieder ihre unterschiedlichen Kompetenzen, Rollen und Erfahrungen in die Werkstatt ein. Vor diesem Hintergrund lautete eine zentrale Fragestellung: Wie kann Verständigung, Austausch und Zusammenarbeit gelingen? In der Gruppenarbeit „Tabu: sag’s mit anderen Worten“ zeigte sich eindrücklich, dass Zuhören, Nachfragen und die Fähigkeit, komplexe Inhalte für unterschiedliche Rollen übersetzbar zu machen zentrale Voraussetzungen für gute Zusammenarbeit darstellen – nicht nur unter Bedingungen von Veränderung.

Praxiseinblick: Digitale Prozessoptimierung bei der Bentheimer Eisenbahn
Einen zentralen Praxisimpuls lieferten der Bereichsleiter Eisenbahnverkehr Gert Meenken und die Projektbeteiligten der Bentheimer Eisenbahn. Sie stellten ihr Transformationsprojekt Digitale Prozessoptimierung vor, das darauf abzielt, Effizienz und Produktivität zu steigern und gleichzeitig Mitarbeitende im Arbeitsalltag zu entlasten und durch gezielte Qualifikationsangebote hinsichtlich des Umgangs mit einer betriebsinternen KI-Lösung zu fördern. Das Projekt knüpft an das bestehende Dokumentenmanagementsystem ELO (Elektronischer Leitz Ordner) an, damit reagiert die Bentheimer Eisenbahn auf knappe personelle Ressourcen sowie auf steigende regulatorische Anforderungen an die Organisations- und Prozessstrukturen von Verkehrsunternehmen. Nach Abschluss einer Testphase mit rund 8 Mitarbeitenden als Tester*innen sollen die Abstimmungsprozesse mit dem Betriebsrat intensiviert werden.
KI im Arbeitsalltag: Erfahrungen, Unsicherheiten und Haltungen
Mithilfe einer Live-Umfrage wurden die Projektlots*innen zu ihren Alltagserfahrungen, Unsicherheiten und Einstellungen gegenüber dem Einsatz von KI in den Verkehrsbetrieben gefragt. Die Ergebnisse zeigen ein hohes Maß an praktischer Nutzung. Ein Großteil der Befragten nutzt KI bereits im beruflichen Kontext – unter anderem für Text- und Konzeptentwicklung, Recherche, kreative Arbeiten, E-Mail-Optimierung und Programmierung. Zum Einsatz kommen verschiedene Tools wie ChatGPT, CoPilot, Perplexity, Claude, Llama Meverik, Microsoft Copilot, Gemini, Mistral.
Die Bewertungen der KI-Resultate fielen überwiegend positiv aus: KI wird als hilfreiche Unterstützung und Impulsgeber wahrgenommen, zugleich aber auch als potenziell irreführend. 15 von 21 Projektlots*innen sprachen sich für eine offizielle Betriebsvereinbarung zum Thema KI aus.
Impulse aus Wissenschaft und Mitbestimmung
Der erste fachliche Impuls vom ISF beleuchtete den Einsatz von KI aus arbeitssoziologischer Perspektive. Dabei wurden insbesondere die unterschiedlichen Sichtweisen von Gestalter*innen und Entwickler*innen von KI-Systemen sowie deren Nutzer*innen im Unternehmen gegenübergestellt. Diskutiert wurde, an welchen Stellen im Unternehmen KI-Systeme sinnvoll eingesetzt werden kann und welche Voraussetzungen für eine sozialpartnerschaftliche Einführung notwendig sind. Ergänzend erhielten die Teilnehmenden Einblicke in konkrete Anwendungsszenarien.
Ein anschließender Beitrag von ver.di fokussierte auf „Künstliche Intelligenz und Mitbestimmung“. Dabei wurden insbesondere die gesetzlichen Regelungen im Betriebsverfassungsgesetz (BetrVG) sowie die Informations- und Mitbestimmungsrechte der Betriebsräte hervorgehoben. Im Mittelpunkt standen die Auswirkungen von KI auf Arbeitsinhalte, Arbeitsplätze und Qualifizierungsanforderungen. Abschließend wurde die Bedeutung einer frühzeitigen Einbindung aller sozialpartnerschaftlichen Akteure betont, da eine enge Zusammenarbeit von Betriebsrat und Geschäftsführung Transparenz schafft, Vertrauen stärkt und dazu beiträgt, technologische Veränderungen gemeinsam zu gestalten, Risiken frühzeitig zu erkennen sowie Akzeptanz und Qualifizierung der Beschäftigten nachhaltig zu sichern.
Arbeiten mit Personas: Perspektiven sichtbar machen
Unter der Leitfrage: „Was sind Personas und wozu brauchen wir sie?“ stellte die VDV- Akademie den Projektlots*innen vier fiktive Personen vor. Diese stehen stellvertretend für reale Mitarbeitende in den Verkehrsunternehmen und bündeln typische Perspektiven, Qualifizierungsziele und Unterstützungsbedarfe. Ziel ist es, auf dieser Grundlage passgenaue Qualifizierungsangebote für Transformationsgestalter*innen zu entwickeln.
In einer anschließenden Gruppenarbeit diskutierten die Projektlots*innen Wissen aus der Perspektive der jeweiligen Personas und stellten Einsatzfelder und Voraussetzungen von KI-Systemen im Plenum vor. Die Übung förderte den Perspektivwechsel und machte deutlich, wie unterschiedlich KI im Arbeitsalltag wahrgenommen und genutzt werden kann.



