Sozialpartnerschaftliche Werkstatt der SWEG

Am 22. Juni trafen sich das Projektteam mit den Projektlots:innen zur 6. sozialpartnerschaftlichen Werkstatt im Gewerkschaftshaus in Stuttgart. Im Fokus standen diesmal der Betriebsfall der SWEG – die Einführung von SAP und des Elektronischen Leitzordners (ELO) – sowie eine übergreifende Diskussion zum Qualifizierungsprofil, das im Projekt “We-Transform-ÖPNV” sozialpartnerschaftlich entwickelt wird.

Transformation gestalten heißt, mit Unsicherheiten umgehen zu können

Nach der Begrüßung stand ein Netzwerkformat zum Erfahrungsaustausch auf der Agenda. In einem sehr lebendigen, dynamischen Austausch variierender Dialogteams wurde deutlich, dass Veränderungsprozesse mit Unsicherheiten, unterschiedlichen Erwartungen und Widerständen verbunden sind und zugleich in den Unternehmen bereits viele pragmatische Lösungen gefunden wurden und immer wieder entstehen. Entscheidend sind dabei weniger technische Fragen als vielmehr soziale und kulturelle Aspekte: Transformation gelingt, wenn Menschen beteiligt werden, Vertrauen entsteht und Perspektiven zusammengeführt werden.

Vom Erfahrungsaustausch zum Qualifizierungskonzept

Anschließend wurde in einer Kleingruppenarbeit anhand der bereits – in einer vorherigen Werkstatt – eingeführten Personas über das Qualifizierungsprofil diskutiert und an der Konkretisierung der Entwicklung von Schulungsinhalten und -formen gearbeitet.

In der Gruppenarbeit mit vier Personas wurden konkrete betriebliche Situationen analysiert und daraus Kompetenzanforderungen abgeleitet. Trotz unterschiedlicher Perspektiven zeigten sich klare Überschneidungen, vor allem bei Freigabeprozessen, Kommunikation und Abstimmung – ein Hinweis auf branchenweit ähnliche Herausforderungen.

Die Ergebnisse der Werkstätten verdichten sich zunehmend zu einem gemeinsamen Verständnis der Qualifizierung von Transformationsgestalter*innen. Die beteiligten Verkehrsunternehmen bringen unterschiedliche Erfahrungen ein, die alle auf das Projektziel einzahlen, einen übertragbaren Orientierungsrahmen für die Branche zu entwickeln. Im Fokus steht dabei, welche Kompetenzen notwendig sind, um Transformationsprozesse erfolgreich zu begleiten.

Bereits bei der Auftaktveranstaltung im November 2025 in Offenbach a.M. wurden wichtige Eigenschaften der Projektlotsinnen Eigenschaften identifiziert. Dazu gehören u.a. Mut, Offenheit und Lernbereitschaft zugeschrieben. In Stuttgart wurde dieses Profil weiter geschärft: Transformationsgestalter*innen sind weit mehr als fachliche Expert*innen. Entscheidend ist die Verbindung von Fachwissen mit sozialen und methodischen Kompetenzen – insbesondere im Umgang mit Unsicherheit, Konflikten und unterschiedlichen Interessen.

Die Vielfalt der Beschäftigten im ÖPNV erfordert Qualifizierungsangebote, die unterschiedliche Perspektiven und Ausgangsbedingungen aufgreifen und zugleich gemeinsame Zukunftskompetenzen stärken. Deutlich wurde: Transformation ist eine Gemeinschaftsaufgabe, die nur durch transparente Zusammenarbeit aller Beteiligten gelingt. Hierfür sollen modularer Qualifizierungsbausteine entwickelt und schrittweise erprobt werden. Zentrale Tätigkeitsfelder sind bereits erkennbar – etwa Orientierung geben, Beteiligung gestalten, moderieren und Veränderungsprozesse begleiten.

Der Betriebsfall der SWEG verdeutlicht exemplarisch, dass Transformation weit über technische Veränderungen hinausgeht. Erfolgsentscheidend sind frühzeitige Beteiligung, bereichsübergreifende Zusammenarbeit und sozialpartnerschaftliche Begleitung. Im Mittelpunkt stand die Vereinheitlichung von Prozessen, die digitale Vernetzung einer dezentralen Organisation und die Schaffung gemeinsamer Arbeitsweisen über Standorte hinweg. Der Weg dorthin war mit hohem Abstimmungsaufwand, intensiven Lernprozessen und typischen Herausforderungen des Change-Managements verbunden. Die Werkstatt bestätigt damit: Nachhaltige Transformation scheitert selten an Technik, sondern vor allem an fehlendem Vertrauen, unzureichender Beteiligung und dem Umgang mit Unsicherheiten.


Transformation im Dialog

Die interaktiven Schlaglichter auf den Betriebsfall der SWEG verdeutlichen, dass Transformation vor allem als gemeinsamer Lern- und Gestaltungsprozess verstanden werden muss. Im Zentrum steht die erfolgreiche Verbindung von technischen Veränderungen mit sozialpartnerschaftlicher Zusammenarbeit und aktiver Beteiligung der Beschäftigten. Deutlich wird, dass nachhaltige Transformation dort gelingt, wo Prozesse gemeinsam entwickelt, Perspektiven zusammengeführt und Veränderungen transparent gestaltet werden. Damit liefert der Betriebsfall wichtige Impulse für die weitere Entwicklung eines brancheneinheitlichen Qualifizierungsansatzes.

In der abschließenden Gruppenarbeit zu digitalen Informationsplattformen im Kontext Weiterbildung wurden die Fragestellungen aus Arbeitgeber-, Arbeitnehmer- und gemischter Perspektive betrachtet, etwa zu Einsatzmöglichkeiten in der Personalentwicklung. Über alle drei Gruppen hinweg zeigten sich ähnliche Erkenntnisse: Die Technologien ermöglichen einen besseren Überblick, strukturiertere Prozessbegleitung und eine höhere Nachverfolgbarkeit. Gleichzeitig wurde deutlich, dass Vertrauen, Offenheit und Transparenz zentrale Voraussetzungen für eine erfolgreiche Umsetzung sind.


Gemeinsam Zukunft gestalten: Die Transformation nimmt Fahrt auf

Mit der 6. sozialpartnerschaftlichen Werkstatt von WeTransformÖPNV bei der Südwestdeutschen Landesverkehrs-GmbH (SWEG) ging das Projekt in eine entscheidende Phase. Nach den Werkstätten, Fallstudien und Diskussionen stand in Stuttgart im Fokus, wie daraus konkrete Qualifizierungsansätze und ein gemeinsames Transformationsverständnis entstehen können. Die Zusammenarbeit zwischen den Projektlots*innen, ISF München, ver.di und der VDV-Akademie wurde erneut intensiviert. Der kontinuierliche Austausch und die gemeinsame Reflexion haben im Projektverlauf ein wachsendes gemeinsames Verständnis darüber entstehen lassen, welche Kompetenzen künftig erforderlich sind, um Transformation im ÖPNV aktiv, partizipativ und sozialpartnerschaftlich zu gestalten.

Gleichzeitig bot die Werkstatt die einmalige Gelegenheit, die komplexe Großbaustelle Stuttgart 21 und die damit verbundenen Veränderungen im ÖPNV aus nächster Nähe zu erleben – ein Angebot, dass von allen Teilnehmenden mit großem Interesse angenommen wurde.