sozialpartnerschaftliche Werkstatt von WVV und SWB

Im Zentrum der sozialpartnerschaftlichen Werkstatt am 15. Januar 2026 in Bonn stand die gemeinsame Auseinandersetzung mit aktuellen Transformationsprozessen der Stadtwerke Bonn (SWB) und der Würzburger Straßenbahn (WVV). Nach Grußworten von Anja Wenmakers (Geschäftsführung SWB) und Bernd Karl (Geschäftsführung WVV) sowie einer einführenden Phase des gegenseitigen Vernetzens und Vorstellens der am Werkstatt-Treffen beteiligten Personen wurden die beiden Betriebsfälle von den Projektlotsen aus SWB und WVV vorgestellt sowie in die vom ISF München im Vorfeld in den beiden Unternehmen durchgeführten Betriebsfallstudien eingeordnet.  

  • Bei den Stadtwerken Bonn geht es um ein Pilotprojekt zur Umgestaltung eines Werkstattbereichs im Sinne des Lean-Managements. Ziel ist es, Arbeitsabläufe zu verbessern, unter anderem durch eine strukturierte Anordnung von Werkzeugen und Materialien, um diese schneller auffinden und effizienter nutzen zu können. Nach einer Erprobungsphase ist – in Abstimmung mit dem Betriebsrat – eine Übertragung auf weitere Werkstattbereiche vorgesehen. 
  • Die Würzburger Straßenbahn befasst sich mit der Beschaffung neuer Fahrzeuge und der Einbindung dieser vollständig neuen Fahrzeuggeneration in Werkstattabläufe. Dabei treten verschiedene Herausforderungen auf, insbesondere im Umgang mit prozessualen Verzögerungen und langsam durchdringenden Informationen seitens des Herstellers. Thematisiert wurden daher vor allem die Schnittstellen zwischen Beschaffung, Ingenieursebene und Werkstatt sowie die Frage, wie mit Unsicherheiten und „Nicht-Informationen“ im laufenden Prozess umgegangen werden kann. 

Sowohl die Transformationsvorhaben als auch die Ergebnisse der Betriebsfallstudien wurden im Anschluss im Plenum diskutiert. Im Fokus standen sowohl Detailfragen („Wie führt ihr eure Besprechungen mit dem Werkstattpersonal durch?“) als auch grundlegende Aspekte der Gestaltung von Transformationsprozessen: Wie lassen sich Veränderungen transparent kommunizieren, auch wenn Informationen unvollständig sind? Wie können Beschäftigte und Interessenvertretungen frühzeitig eingebunden werden, sodass sie sich informiert, ernst genommen und beteiligt fühlen? Und wie gelingt die Übersetzung von Planungs- und Steuerungslogiken in die betriebliche Praxis? 

In den Betriebsfallstudien wurde deutlich, dass ein großer Teil der für solche Prozesse notwendigen Kompetenz auf implizitem, erfahrungsbasiertem Wissen beruht – also auf Wissen, das aus praktischer Erfahrung entsteht und häufig nicht explizit formuliert oder dokumentiert ist, für das Gelingen von Veränderungsprozessen aber eine zentrale Rolle spielt. Entsprechend wurde „Erfahrungswissen“ als übergeordnetes, die beiden Transformationsvorhaben von SWB und WVV verbindendes Thema präsentiert. 

In einer anschließenden Gruppenarbeitsphase erörterten die Teilnehmenden gemeinsam die Bedeutung von Erfahrungswissen für Transformationsprozesse. Diskutiert wurden u.a. Fragen danach, wie Erfahrungswissen in verschiedenen Arbeitszusammenhängen, über unterschiedliche Arbeitsprozesse und -schritte hinweg erfasst und geplant, zielgerichtet und sinnvoll berücksichtigt und in Aus- und Weiterbildungsprozesse eingebunden werden kann. Thematisiert wurde auch, wie betriebliche Rahmenbedingungen gestaltet sein müssen, um den Austausch und die Weitergabe von Erfahrungswissen zu fördern. Gleichzeitig wurden auch mögliche Herausforderungen angesprochen, etwa wenn Erfahrungswissen ungleich verteilt ist, in formalen Planungsprozessen zu wenig Beachtung findet oder beim Weggang von Mitarbeitenden und Führungskräften verloren geht. 

Aus den Diskussionen kristallisierten sich drei zentrale Schwerpunkte heraus, die für gelingende Transformationsprozesse zu beachten sind: 

  • Kommunikation und Umgang mit Unsicherheit: Transparenter Umgang mit unvollständigen Informationen und klare Kommunikation von Veränderungen. 
  • Beteiligung und sozialpartnerschaftliche Abstimmung: Frühzeitige Einbindung von Beschäftigten und Betriebsräten zur Stärkung von Akzeptanz und Vertrauen, Wissen um die formalen Regeln der Mitbestimmung sowie Bereitschaft, ggf. darüber hinaus zu gehen, um gute Lösungen für alle Seiten zu finden. 
  • Erfahrungswissen als Schlüsselressource: Anerkennung, Nutzung und Weiterentwicklung impliziten Wissens in Transformations- und Qualifizierungsprozessen. 

Die Werkstatt in Bonn markierte die Halbzeit der Bestandsaufnahme und Betriebsfallanalyse der betrieblichen Transformationsvorhaben in den am Projekt beteiligten ÖPNV-Unternehmen. In den kommenden Werkstatt-Treffen werden die ausgearbeiteten Ergebnisse gemeinsam mit den Projektlotsen aus den Verkehrsunternehmen weiter vertieft und abgeglichen. Auf dieser Grundlage können im weiteren Projektverlauf unter anderem ein Qualifikationsprofil für Transformationsgestalter*innen, Bausteine einer transformationsförderlichen Arbeitsgestaltung sowie Anforderungen an Rahmenbedingungen für „Gute Arbeit“ in Transformationsprozessen entwickelt werden.